reflections

Teil 1

Wenn du hier wärst, würde ich lachen, würde ich tanzen, würde ich mich mit dir auf das Bett schmeißen und dich umarmen. Aber du bist nicht hier. Nie mehr. Nie mehr. Egal was ich tun würde. Egal ob ich weinen, schreien, heulen, boxen, treten oder lachen würde. Du bist nicht hier und wirst es auch nie mehr sein. Warum es mich so verletzt ? Weil ich dachte, dass wir beide noch so viel miteinander erleben würden. Ich dachte, du würdest an meiner Seite sein, wenn er mir weh getan hat. Ich dachte, du würdest auch dabei sein, wenn er mich vor dem Altar zur Frau nimmt. Vielleicht kannst du es nicht verstehen, aber ich werde dich immer vermissen. Egal ob es nur ist, weil es mir schlecht geht. Egal ob es ist, weil ein Junge mich tief in meinem Herzen verletzt hat. Egal ob es ist, weil niemand für mich da ist oder mir nur zuhört. Ich würde einfach gerne mit dir über alle Dinge reden, die mich bedrücken, aber auch über die, die mich erfreuen oder zum Weinen bringen. Siehst du sie alle ? Wieso merkt keiner, wie es mir geht ? Was soll ich denn noch hier ohne dich ? Ich höre jeden Tag die Lieder, die wir früher zusammen gehört haben. Ich schaue jeden Tag auf dieses eine Bild und denke : Wieso musstest du so leiden ? Hätte es anders verlaufen können ? Hätte ich, als ich kleiner war, etwas machen können ? Nein, sagen sie. Sie leben zwar mit mir unter einem Dach, wissen aber trotzdem nicht, wer ich bin. Sie wissen nicht, dass ich so verletzlich bin. Auch wissen sie nicht, dass ich mir jeden Tag mehr und mehr Druck mache. Ich mache es nur dir zu Liebe. Du hast immer gesagt, dass ich es schaffen kann, wenn ich es mir nur fest genug wünsche. Du hast mich immer dazu ermuntert, weiterzumachen, auch wenn ich das Gefühl hatte, in eine Sackgasse zu laufen. Würde man das, was du für mich getan hast, alles aufschreiben, so bräuchte man mehrere hundert Jahre, um es aufzuschreiben. Ich glaube daran, was du mir beigebracht hast. Ich weiß, dass du ein sehr sehr weiser Mensch gewesen sein musst, weil du von sehr vielen gemocht worden warst. Sie erzählen mir, wie sie immer zu dir gekommen sind, wenn sie selber nicht mehr weiter wussten. Einer hat mir erzählt, dass er dank dir seine Freundin bekommen hat. Ich weiß, dass du mich und die anderen doch sehr geliebt haben musst, denn wenn es irgendjemanden gab, der uns zu nahe kam, hast du ihn von uns weggestoßen und ihm Angst gemacht. Wer passt jetzt auf uns auf ? Ich weiß, dass du sagen würdest : „Du bist wirklich stark genug, um auf dich aufzupassen. Außerdem hast du sehr sehr gute Freunde. Die regeln das schon.“ Aber du musst wissen, dass ich immer noch Angst habe. Angst davor, noch mehr Menschen zu verlieren, die mir wichtig sind. Manchmal wünsche ich mir, dass ich bei dir sein kann. Dann kommt es heraus und mein Arm wird rot. Mein Arm wird so lange bearbeitet, bis ich merke, was ich eigentlich tue. Bin das wirklich ich ? Habe ich früher auch schon so etwas gemacht ? Ich meine, wenn ich total glücklich wäre, müsste ich solche Sachen doch nicht machen ? Oder ? Aber nicht mal das merken sie. Die Menschen um mich herum sollten doch merken, dass etwas nicht mit mir stimmt oder ? Aber nein. Ich muss es immer sagen : Mir geht es nicht gut heute. Lasst mich einfach in Ruhe. Eigentlich sollte ich sagen, dass ich mir von ihnen wünsche, dass sie mich ablenken und auf andere Ideen bringen, aber das tue ich nicht. Jedes Mal denke ich mir „Wieso ? Wieso hast du ihnen nicht die Wahrheit gesagt. Es wäre doch gar nichts dabei, wenn sie es wüssten.“ Und doch wäre es schlimm, wenn jemand davon etwas mitbekommen würde. Ich meine, wie würden sie mich dann behandeln. Würden sie mich einweisen wollen, weil ich mit dem Messer spiele ? Oder würden sie einfach nur zusehen ? Oder würden sie das Schlimmste machen, was sie je machen könnten ? Mich alleine lassen. Du. Du hättest mich deswegen nicht alleine gelassen. Du hättest mir geholfen, indem du mich abgelenkt oder mit mir gesprochen hättest. Es wäre für dich so selbstverständlich gewesen, wie mit Messer und Gabel zu essen, denn unsere Beziehung zueinander war dir so wichtig. Ich erinnere mich gerne an die Ausflüge, wo wir klein waren. Du und ich haben zusammen getobt. Dann irgendwann wurde es zu doll und ich viel hin. Danach begann ich zu weinen, aber du bist gleich zu mir gekommen, hast mir aufgeholfen, gepustet, wo es weh tat und hast dann weiter mit mir gespielt. Als wir älter wurden, wurde es jedoch kompliziert, denn andere im unserem Alter zogen uns auf, weil wir uns so gut verstanden haben. Damals war ich deswegen etwas komisch zu dir, aber heute merke ich erst, wie dumm ich gewesen sein muss. Zum Glück hat uns diese Zeit nur stärker gemacht. Ich wünsche mir, du wärst hier. ER hat mir weh getan. Er sagte, dass er mir nicht weh tun wolle, denn die nächsten 20 Monate würde ich eh jemand anderes finden. Aber weißt du, ich habe bei ihm das Gefühl gehabt, das ich bisher nur bei ganz wenigen hatte. Ich dachte wirklich, dass er anders sei. Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich an allem Schuld bin. Wenn ja, warum bin ich dann hier ? Warum hast du mich nur alleine gelassen ? Ich wünsche mir doch nur, dass es da draußen jemanden gibt, der mich wirklich liebt und zwar so, dass ich es merke. Er meinte, dass es mich stören würde, dass er nicht den gleichen Abschluss hat. Er meinte, dass wir zu verschieden seien. Vielleicht stimmt das ja auch, aber ich hätte es trotzdem gerne versucht. Ich meine, muss es denn wirklich immer für mich so laufen ? Was kann ich dagegen tun ? Weiß wirklich jeder, was besser für mich ist ? Ich bin doch kein Kind mehr. Ich soll meine eigene Erfahrungen sammeln. Geht es nicht darum im Leben ? Bin ich nicht dazu auf der Welt ? Wenn ich keine Fehler mehr machen darf, was dann ?

31.5.15 21:59

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